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Das Tigerrestaurant
Von Volker Kienast
Übersicht

Die ganze Szene dauert nur wenige Minuten, das immer leiser werdende Muhen hatte längst aufgehört. Dann griffen die Wärter in den Jeeps ein und verscheuchten die Tiger. Sie banden die Kuh mit einem Stahlseil am Wagen fest und schleiften sie in Richtung Ausgang. Da die Tiger den weiteren Verlauf des Tages kannten, gaben sie nur wenig Gegenwehr. Sie hatten allen gezeigt, dass sie noch jagen können und freuten sich nun auf ihre Belohnung: die Filetstücke.

Nachdem man uns Touristen wieder aus dem Doppeltor gefahren hatte, konnten wir in den Tigerkäfig hinein gehen und der Fütterung von anderen Tigern zusehen. In den Käfig hinein stimmt so nicht ganz, es war ein vollständig umzäunter Gang in einem Gehege, durch das wir gingen. Der Zaun war kräftig und das war gut so, denn die Tiger sprangen ihn heftig an, sehr zu wohligen Erschauern der Besucher. Ein Tiger ist auf vier Beinen ja nur etwa hüfthoch, wenn das Tier dann aber mit aufgerissenem Maul in voller Länge am Zaun hängt, etwa 50 Zentimeter weg und man den Atem riecht, bekommt man einen Eindruck davon, wie es der Kuh in ihren letzten Augenblicken ergangen sein musste.

In dem Käfig lebten auch noch eine Löwin und ein Panther, die beide garantiert nicht aus dieser Region der Erde sind. In diesem Zauntunnel gab es eine erhöhte Plattform, in deren Zaunteil ein kleines Fenster eingebaut war, nicht aus Glas, sondern auch aus festem Maschendraht, aber ich konnte den Rahmen öffnen und das Teleobjektiv hindurch schieben. Das tat ich allerdings mit Rundumblick, weil es hier Tiger von allen Seiten gibt. Dadurch gelangen mir ein paar zaunfreie Bilder, auf denen die Tiger mich ansahen wie den Nachtisch.

Das Freigehege und der Fütterungskäfig sind etwa 200.000 m² groß, der Park dahinter wesentlich größer. Dorthin kommt auch kein Tourist mehr. Die Tiger in den Käfigen leben dort für ein Jahr, dann tauscht man sie aus. In einem Touristenladen, der nicht weiter erwähnenswert ist, war ein etwa drei Monate altes Tigerbaby in einen winzigen Käfig gesperrt. Wer mochte, konnte sich mit dem fauchenden kleinen Ding auf dem Schoß knipsen lassen. Dass es Jahre danach im Fütterungskäfig gerne auch die Menschen anspringt, konnte ich mir vorstellen.

Neben den Tigern war auch noch ein alter Schwarzbär zu bestaunen. Er wurde vor einigen Jahren von Bauern gefangen und vegetierte seitdem in einem sechs mal sechs Meter großen Käfig. Zusätzlich zu den neuen Anlagen für die Tiger wird auch noch eine neuer Tigerkäfig gebaut. Ob er bis zur Fertigstellung - wie alle Bauprojekte soll auch dies hier natürlich am ersten Oktober [Staatsgeburtstag] fertig sein - durchhält, bezweifle ich. Fast wünsche ich ihm, dass dies nicht der Fall ist.

Das Tigerrestaurant war die letzte der 6 Leseproben aus dem Buch "China subjektiv!" von Volker Kienast. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann jetzt das vollständige Werk mit 30 weiteren China-Kurzgeschichten auf amazon.de bestellen.


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